Vom Wasser haben wir’s gelernt

Ich hatte letztens dienstlich einen Vortrag vor jungen Leuten zu halten, in dem es ganz allgemein um das Thema “Energie” ging. In diesem Vortrag behandele ich auch die geschichtliche Entwicklung der Energienutzung. Denn erst wenn man sich vor Augen hält, wie seit alters her vor allem die Muskelkraft von Mensch und Tier zur Verrichtung vielfältigster Arbeiten genutzt wurde, kann man erahnen, welche wirtschaftliche und politische Bedeutung die heutige Energieversorgung hat.

Die erste technische Ausnutzung eines Energieträgers war die Kraft des fließenden Wassers. Schon in der Antike wurden Wasser-Schöpf-Räder zur Bewässerung eingesetzt, später hat man dann vor allem Mahlsteine mit Wasserrädern angetrieben. Und energetisch betrachtet haben unterschlächtige Wasserräder immerhin bis zu 35 Prozent Wirkungsgrad. Oberschlächtige Wasserräder, die erst im 14. Jahrhundert in Mitteleuropa ihren Siegeszug antraten, konnten etwa 75 Prozent der kinetischen und potentiellen Energie des Wassers in mechanische Arbeit umwandeln. Und heutige Wasserturbinen erreichen (elektrische) Wirkungsgrade von bis zu 95 Prozent!

Es ist natürlich klar, daß man diese Energieform nur dort einsetzen kann, wo man genügende Wassermengen mit entsprechenden Fallhöhen vorfindet. Wie man am Drei-Schluchten-Staudamm in China sieht, ziehen solche Projekte auch große ökologische und soziale Probleme nach sich. Daher sind auch die Ausbaupotentiale, gerade in Mitteleuropa, begrenzt. Schön finde ich dann, wenn alte Wasserkraftwerke revitalisiert werden, wie z.B. das Weserkraftwerk in Bremen. Aber auch in Thüringen sind erst vor wenigen Jahren einige Kraftwerke, z.B. an der Werra in Thüringen, erneuert worden – diese Anlagen finden sich auch bei WikiEnergy.

Bis zur “Entdeckung” der Wasserkraft hat der Mensch lange gebraucht. Die Nutzung der Windkraft kam dann viel später (Mittelalter) und erst seit ca. 200 Jahren, nämlich seit der industriellen Revolution, wird etwas verbrannt, um daraus letztlich mechanische Energie zu “gewinnen”. Doch dieses Verbrennen hat uns erst das Leben ermöglicht, wie wir es heute (in den Industrieländern) als selbstverständlich erachten. Möchten wir dieses Leben aufgeben?

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