Sturm und Drang

War das ein Wochenende: Sturmtief “Emma” zog über das Land. Das sind dann solche Tage, an denen ich den einen oder anderen Gehirnsturm (Brainstorming) durchlebe.

Die Höchstgeschwindigkeiten der Böen lagen wohl gerade so an der Grenze dessen, was die Windräder so aushalten, bevor sie sich automatisch abschalten. Das bedeutet, daß endlich einmal die über 20 Gigawatt installierte Windleistung in Deutschland nahezu flächendeckend voll zum Tragen kommen konnten. Denn meist dümpeln die Windturbinen ja so vor sich hin. Doch diesmal können sie zeigen, was sie drauf haben.

Und diese Leistung drängt nun in die deutschen Stromnetze – von unten nach oben, also von den Verteilnetzen der Mittel- und Hochspannung in die Übertragungsnetze der Höchstspannung. Da ist dann mächtig was los auf unseren Stromautobahnen. Zum Glück sind ja die Netzbetreiber verpflichtet, für genau diese wenigen Stunden der Windhöchstlast ihre Netze auszubauen. Das kostet natürlich Geld, was die Netzbetreiber ausgeben würden, ließe man sie ihre Planungen umsetzen. Dennoch bleibt für mich die Frage der volkswirtschaftlichen Verhältnismäßigkeit, wenn viel technischer und finanzieller (Stahlpreis für Masten und Seile) Aufwand für wenige Stunden Windvollast betrieben wird.

Während bei soviel Windstrom im Netz die konventionellen Kraftwerke gedrosselt gefahren werden müssen (es ist ja auch noch Wochenende), müssen die Kraftwerke trotzdem das Netz mit Blindleistung speisen, was die meisten Windkraftanlagen gar nicht können, damit der Windstrom überhaupt fließen kann. Zusätzlich sind die “großen” Kraftwerke in Warteposition, sollte der Wind doch einen Tick zu stark werden und die Windräder wegen ihrer Abschaltautomatik vom Netz gehen.

Es möchte schließlich niemand in Deutschland ohne Strom dasitzen. Und Geld soll der gefälligst auch kaum kosten. Und überall diese Windparke, die die Landschaft verschandeln, möchte auch keiner mehr sehen. Und CO2 soll natürlich auch nicht mehr so viel emittiert werden. Na, und Kernkraft schon gar nicht! Aber ansonsten geht’s uns gut – danke der Nachfrage.

Meiner Meinung nach führt langfristig gesehen kein Weg am verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien vorbei. Doch bitte mit Augenmaß! Irgendwie scheinen sich die Deutschen mit Fragen der Integration prinzipiell schwer zu tun. Dabei ist technisch viel möglich – nur muß es eben richtig organisiert werden. Kann das bei diesen Strukturen im Energiemarkt gelingen?

Hinterlasse eine Antwort